Jahrgang 2026

Das Jahr startete mit optimalen Bedingungen. Die Böden hatten genügend Wasser auch in tieferen Schichten um die Reben für die kommende Saison optimal zu versorgen.

Anfang März war es zum Glück auch trocken genug um die der Unterstockbodenbearbeitung zu beginnen.

Je nach Bewuchs unter den Rebsstöcken verwenden wir unterschiedliche Maschinen und Geräte um für Ordnung zu sorgen. Es geht hierbei um die Alternative zum Einsatz von Herbizide.
In diesem Falle ist es eine Kreiselegge. Eigentlich eine gute Sache. Allerdings wirft es manchmal große Klumpen in die Fahrspur so dass die Durchfahrt mit dem Traktor irgendwann sehr wackelig wird.
Ein weiterer Nachteil ist die langsame Fahrgeschwindigkeit.
Wegen der fehlenden Flächenleistung wird dieses Verfahren bei den meisten Kollegen kaum eingesetzt.

Ende März stiegen so langsam die Temperaturen und die Reben fingen an zu blute. Ein Zeichen für den baldigen Austrieb.

Anfang April war es soweit und der Austrieb startete.

Glücklicherweise gab es dieses Jahr keine Spätfröste und so konnten wir entspannt in die neue Saison starten.

Gute Wasserversorgung sorgte nicht nur für gute Wachstumsbedingungen für die Reben sondern auch für die eingesääte Begrünung und viel Unkraut und Gras unter den Rebstöcken.

Da wir in den engen Anlagen nicht mit der Unterstockkreiselegge den Boden bearbeiten können, haben wir nach 5 jähriger Entwicklungszeit einen eigenen endlich funktionierenden Prototypen erschaffen. Das besondere daran: Es ist rein mechanisch, selbstlenkend und fährt mit Strom aus einem einzigen PV Modul. Die Fahrgeschwindigkeit beträgt allerdings nur ca. 300m / Std.

Kurz nach der Rebblüte haben wir an Anfang Juni dieses Video erstellt und auf Youtube hochgeladen.

Mitte Juni – die Arbeit nimmt Fahrt auf

Mit dem Sommer beginnt auch wieder die Zeit, in der im Weinberg viele Arbeiten gleichzeitig anstehen. Und bevor die Maschinen richtig loslegen können, gibt es wie so oft erst einmal etwas zu reparieren oder zu verbessern.

Unser selbstfahrender solarbetriebener Geräteträger bekam einen stabileren Rahmen und Teleskopantriebe, damit er vor allem im Seitenhang sicherer steht. Auch die Druckluftentblätterungsmaschine, der Laubschneider und der Kompressor brauchten vor ihrem Einsatz noch etwas Aufmerksamkeit.

Mittlerweile gehört das Reparieren, Schweißen und Optimieren von Maschinen fast genauso zum Winzerberuf wie die eigentliche Arbeit an den Reben.

Druckluftentblätterung

Bei der Druckluftentblätterung entfernen starke Luftstöße Blätter aus der Traubenzone. Gleichzeitig können bereits kleine Teile der jungen Trauben entfernt werden.

Das machen wir teilweise ganz bewusst: Zu kompakte Trauben können in feuchten Jahren später Probleme mit Botrytis bekommen. Lockerere Trauben trocknen schneller ab und bleiben dadurch eher gesund.

Die Arbeit verlangt allerdings viel Gefühl. Die Maschine muss sehr nah an der Laubwand geführt und an jedem Pfosten entsprechend angepasst werden.

Besonders gerne nutzen wir dafür die kühlen Morgenstunden, weil die Maschine dann mit weniger Motorleistung den notwendigen Druck erzeugt.

Die Trockenheit wird zum großen Thema

Mitte Juni steigen die Temperaturen stark an. Besonders unsere nachgepflanzten Jungreben reagieren sehr schnell auf die Trockenheit.

Bei einigen Pflanzen beginnen die Triebspitzen bereits einzutrocknen. Deshalb legen wir rund um die Reben kleine Mulden an, damit sich das Wasser möglichst direkt im Bereich der jungen Wurzeln sammeln kann.

Teilweise zeigt sich schon einen Tag nach dem Gießen eine deutliche Erholung. Andere Reben sind stärker geschädigt und wir müssen hoffen, dass aus einer Knospe noch einmal ein neuer Trieb wächst.

Wasser, Wasser und noch einmal Wasser

2026 entwickelt sich immer mehr zu einem Jahr, in dem die Wasserversorgung eine entscheidende Rolle spielt.

Zum Glück sind unsere wichtigsten Anlagen mittlerweile an ein Wassernetz angeschlossen. Diese Investition war teuer, aber gerade in einem Sommer wie diesem zeigt sich, wie wichtig sie ist.

Nicht alle Weinberge können jedoch an das Netz angeschlossen werden. Dort müssen wir weiterhin Wasser mit dem Tankwagen bringen.

Und natürlich funktioniert auch die Bewässerung nicht immer problemlos: Leitungen werden beschädigt, Tropfer sitzen an der falschen Stelle oder irgendwo entsteht plötzlich eine kleine Fontäne.

Also heißt es kontrollieren, aufgraben, reparieren und weiterbewässern.

Kleine Details entscheiden

Bei der Tropfbewässerung haben wir in diesem Jahr wieder viel gelernt.

Manchmal läuft das Wasser zwar aus einem Tropfer, landet aber einige Zentimeter neben der jungen Rebe. Gerade am Hang kann das einen großen Unterschied machen.

Mit schräg gestellten Schutzrohren, kleinen Wasserkanälen und neu ausgerichteten Tropfern versuchen wir deshalb, möglichst jeden Tropfen direkt an die Pflanze zu bringen.

An manchen Stellen zeigt sich trotzdem, dass die Wasserversorgung nicht ausreichend war. Dort bleiben die Triebe kleiner und auch der Ertrag muss entsprechend reduziert werden.

Aus Fehlern lernt man – und manchmal braucht es einfach einen guten Hinweis von außen.

Auch Unkraut wird zur Konkurrenz

Bei den Jungreben wächst teilweise sehr viel Amarant.

In einem normalen Jahr wäre das weniger problematisch. Bei dieser Trockenheit konkurriert aber jede zusätzliche Pflanze mit der Rebe um das wenige verfügbare Wasser.

Deshalb hacken wir den Bereich um die jungen Pflanzen frei und legen gleichzeitig größere Mulden an.

So soll möglichst viel Wasser direkt dort versickern, wo die Rebe es braucht.

Trotz Gießen entstehen Schäden

Selbst regelmäßiges Bewässern reicht in diesem Sommer nicht überall aus.

Einzelne Jungreben wurden alle zwei Tage gegossen und trotzdem sind die Triebspitzen abgestorben. Teilweise bildeten sich neue Seitentriebe, die wenig später ebenfalls wieder unter Trockenstress litten.

Direkt daneben stehen Reben, die vollkommen normal weiterwachsen.

Manchmal entscheiden schon kleinste Unterschiede im Boden darüber, wie gut eine Pflanze mit solchen Bedingungen zurechtkommt.

6. Juli – die ersten Beeren verfärben sich

Am 6. Juli sehen wir bei unseren Spätburgunderanlagen bereits die ersten verfärbten Beeren.

Diese Phase nennt man Véraison – die Trauben gehen sichtbar in die Reife über.

So früh haben wir das bei uns noch nie erlebt.

Bei unseren Pinot-Noir-Klonen 777 und 667 sind zwar noch viele Beeren grün, aber die ersten beginnen bereits blau zu werden.

Damit wird langsam klar: Wenn sich die Entwicklung so fortsetzt, könnte die Lese 2026 außergewöhnlich früh beginnen.

Die Reife schreitet schnell voran

Nur kurze Zeit später sind viele Spätburgundertrauben bereits deutlich durchgefärbt.

Während in der Ferne Gewitter aufziehen, läuft trotzdem noch einmal die Tröpfchenbewässerung. Nach den trockenen Wochen wollen wir kein Risiko eingehen.

Jetzt hoffen wir auf etwas Regen – möglichst gleichmäßig und ohne Hagel.

Letzte Arbeiten vor der Lese

Bei den Spätburgundern wird inzwischen nur noch punktuell kontrolliert.

Einzelne deutlich grüne Trauben entfernen wir weiterhin. Sie würden sich bis zur Lese vermutlich ebenfalls verfärben, wären geschmacklich aber noch nicht auf demselben Reifestand wie der Rest.

Der überwiegende Teil der Anlagen sieht inzwischen sehr gut aus.

Langsam kann die Ernte kommen.

Im Keller beginnt die Vorbereitung

Während draußen weiterhin gegossen und kontrolliert wird, laufen im Keller längst die Vorbereitungen für den Herbst.

Tanks werden gründlich gereinigt, Fässer vorbereitet und die letzten Weine des vorherigen Jahrgangs filtriert und abgefüllt.

Teilweise muss die Kellerarbeit allerdings warten, weil draußen wieder Jungreben dringend Wasser brauchen.

Genau das macht diese Jahreszeit aus: Weinberg und Keller laufen gleichzeitig.

Der Herbst kommt schneller als gedacht

Auch unsere Herbsteimer müssen noch gereinigt werden.

Parallel läuft der Kieselgurfilter und die nächsten Weine warten auf ihre Abfüllung.

Den Beginn der Lese würden wir zu diesem Zeitpunkt gerne noch ein wenig nach hinten verschieben.

Aber 2026 hat offenbar andere Pläne.

Start der Lese 2026

Dann ist es tatsächlich soweit.

Die Lese 2026 beginnt bei uns so früh wie noch nie.

Die Trockenheit und die hohen Temperaturen haben die Entwicklung enorm beschleunigt. Innerhalb von etwas mehr als einer Woche steigt das Mostgewicht bei einer Partie von rund 80 auf 95 bis 96 °Oechsle.

Damit müssen die Trauben nach Hause.

Würden wir länger warten, steigt der Zuckergehalt weiter und damit später auch der Alkoholgehalt des Weins.

Die Qualität sieht hervorragend aus – nur der Zeitpunkt ist außergewöhnlich.

Die ersten Trauben für den Sektgrundwein

Den Anfang machen unter anderem Spätburgundertrauben für unseren Sektgrundwein.

Eigentlich hätten wir einen Teil dieser Trauben gerne stärker ausgedünnt und zu Rotwein verarbeitet. Allerdings merken auch wir, dass sich der Markt verändert und weniger Rotwein getrunken wird.

Sekt funktioniert dagegen weiterhin sehr gut.

Deshalb nutzen wir einen Teil der Spätburgunder in diesem Jahr für Sektgrundwein.

Während draußen gelesen wird, läuft im Keller bereits die Verarbeitung – und gleichzeitig wartet schon die nächste Abfüllung.

Herbst eben.

Auch die Presse braucht Aufmerksamkeit

Ausgerechnet während der Lese macht natürlich auch die Technik keine Pause.

An unserer Presse war das Gewinde einer Befestigung beschädigt. Also musste der Gewindeschneider ran.

Nach etwas Arbeit ließ sich die Schraube wieder sauber einsetzen und die Presse konnte weiterlaufen.

Wieder einmal zeigt sich: Während der Lese sollte man möglichst vieles selbst reparieren können.

Alles gleichzeitig

Während in der Presse bereits Rosé verarbeitet wird, läuft nur wenige Meter weiter die nächste Abfüllung.

Genau so sieht der Herbst im Weingut aus: Viele Arbeitsschritte passieren gleichzeitig und alles muss irgendwie ineinandergreifen.

Chardonnay »SJ«

Dann kommt unser Chardonnay »SJ« an die Reihe.

Die stark ausgedünnten Trauben sind locker, gesund und aromatisch reif. Auch das Mostgewicht passt.

Länger warten möchten wir allerdings nicht – nicht zuletzt, weil inzwischen auch die Vögel Gefallen an den Trauben gefunden haben.

Also lieber selbst ernten, bevor andere schneller sind.

Grauburgunder im Bischoffinger Steinbuck

Bei der Grauburgunderlese im Bischoffinger Steinbuck beginnen wir zunächst mit den jüngeren Rebanlagen.

Die Trauben der alten Rebstöcke dürfen noch etwas länger hängen.

Im Weingut laufen die gelesenen Trauben anschließend über unseren Vibrationstisch.

Das ist hier besonders wichtig, weil sich in den teilweise kompakten Grauburgundertrauben gerne Ohrwürmer verstecken.

Durch die Vibration fallen sie heraus, bevor die Trauben weiterverarbeitet werden.

Bei diesem Thema sind wir lieber etwas zu pingelig als zu wenig.

Spätburgunder – jetzt zeigt sich der Aufwand

Bei den ersten Spätburgundern aus dem Bischoffinger Steinbuck zeigt sich schließlich, dass sich die viele Arbeit mit der Wasserversorgung gelohnt hat.

Die Trauben sind klein, gesund und schön reif.

Nach all den Wochen mit Bewässern, Leitungen reparieren und Wasserfahren ist es ein tolles Gefühl zu sehen, welches Ergebnis daraus entstanden ist.

Ohne die neue Wasserversorgung wäre dieser Sommer für einige unserer Anlagen wesentlich schwieriger geworden.

Merlot bereits im August

Zum Abschluss noch eine weitere Besonderheit des Jahrgangs:

Unser Merlot muss bereits im August gelesen werden.

Während der Blüte hatten wir ungünstiges Wetter. Dadurch wurden viele Blüten nicht befruchtet und die Erträge sind in einigen Anlagen extrem niedrig.

Teilweise stehen kräftige Triebe praktisch ohne Trauben da.

Entsprechend schnell sind die wenigen verbliebenen Trauben gereift.

Bevor Zucker und Alkohol weiter steigen oder Regen und Botrytis zum Problem werden, holen wir sie lieber gesund nach Hause.

2026 bleibt damit ein außergewöhnlicher Jahrgang:

sehr trocken, extrem früh – und bisher mit einer Qualität, über die wir uns nach all der Arbeit wirklich freuen können.